Interview mit Christian Sokcevic, Managing Director Panasonic DACH

Kamera- und Videotechnik ist überall

Kamera- und Videotechnologie ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken – und steckt in viel mehr, als sich auf den ersten Blick erahnen lässt. Insbesondere im B2B-Bereich, sagt Christian Sokcevic, Managing Director DACH bei Panasonic. Der japanische Technikkonzern macht damit nicht nur Shopping schöner, Autos schlauer und Stadionbesuche sicherer, sondern arbeitet für innovative Entwicklungen auch erfolgreich mit Startups zusammen. Etablierte und junge Player der Imagingbranche zu vernetzen hat sich PIV – WE ARE IMAGING mit seiner neuen Startup-Initiative auf die Fahne geschrieben.

Herr Sokcevic, Alltag und Geschäftsleben werden immer smarter. Inwiefern spielen Innovationen aus dem Kamerabereich dabei eine Rolle?

Unsere Digital Imagingtechnologien helfen dabei, Alltag, Arbeitsleben oder Unternehmensprozesse zu verbessern. Denn Kamera- und intelligente Videoanalyse-Systeme kommen mittlerweile in sehr vielen Bereichen zum Einsatz – und zwar als B2B-Lösungen. Die nimmt man allerdings oft erst auf den zweiten Blick wahr – anders als etwa Digital-Kamera, Camcorder oder einen UHD-Fernseher, die als Produkte für Konsumenten klar sichtbar sind.

… und für die Panasonic weitläufig bekannt ist.

Der B2B-Geschäftsbereich liegt quasi unter der Wasseroberfläche. Und hier profitieren wir enorm von Technologien, die wir für Konsumenten entwickeln. Videotechnologie kommt als eine unserer Kerndomänen aus dem Consumer-Bereich heraus in immer mehr Geschäftsfeldern zum Tragen – etwa in der professionellen Sicherheitsüberwachung, Logistik oder im Fahrzeugbereich, wo damit beispielsweise für die Erhöhung der Fahrsicherheit und smarte Fahrerassistenz-Systeme gesorgt wird.

Videotechnik macht das Auto smart?

Absolut. Der von uns entwickelte intelligente Auto-Rückspiegel etwa kombiniert Kamera und Display, genauso der digitale Außenspiegel. Intelligente Videoanalyse-Systeme ermöglichen Verkehrsanalysen und sind in Verbindung mit Sensortechnologie nicht zuletzt fürs autonome Fahren im vernetzten Auto ganz entscheidend.

Wo Video-Displays Schalter und Knöpfe verdrängen?

Das Armaturenbrett im Auto der Zukunft wird virtuell sein und sehr viel Kameratechnik an Bord haben. Unser Panasonic „eCockpit“ für Connected Cars besteht unter anderem aus einem dualen Head-up-Display mit Projektoren, Spiegeln und Objektiven, das nur dank unserer Linsentechnologie so kompakt wird, dass es auch Sinn macht. Das „eCockpit“ wollen wir bereits ab 2018 realisieren.

Werden damit auch Staus oder überfüllte Parkplätze Schnee von gestern?

Kameras und Sensoren etwa an LED-Straßenleuchten in smart vernetzten Städten können auf jeden Fall dafür sorgen, Staus zu vermeiden. Über das vernetzte Auto-Cockpit oder digitale Anzeigetafeln lassen sich freie Parkplätze anzeigen, die Müllabfuhr kann effizienter durch die Straßen geleitet werden und nicht zuletzt wird die Sicherheit erhöht. Mit Imagingtechnologien dieser Art entwickeln sich Städte zu Smart Cities – allen voran unsere smarte Stadt Fujisawa in der Nähe von Tokio, die Maßstäbe setzt für die Stadtentwicklung der Zukunft.

Ist Sicherheitsüberwachung ein Parade-Beispiel für den B2B-Einsatz von Kamera-Innovationen?

Mit unseren Videosystemen sorgen wir in den verschiedensten Bereichen für smarte Sicherheitsüberwachung – in Städten, Unternehmen und natürlich auch den eigenen vier Wänden. Wir können Technologien einsetzen, um Gebäude oder bestimmte Bereiche rund um die Uhr selbst von unterwegs aus komplett zu überwachen.

Also ist Sicherheit ein großer Treiber?

Sicherheit ist ein elementarer Aspekt. Allerdings ermöglichen die Kamera- und Videosysteme noch viel mehr und helfen etwa dabei, Geschäftsprozesse zu optimieren. Ein Logistik-Unternehmen profitiert davon, dass Kameras Alarm schlagen, wenn ein Paket nicht an der nächsten Verteilstation erscheint. Im Supermarkt meldet das Kühlregal der Lagerhalle automatisch, wenn die Tiefkühlpizza ausgeht. Und im Einzelhandel eröffnen sich auch ganz neue Möglichkeiten, das Einkaufserlebnis zu gestalten.

Machen Videokameras das Shoppen attraktiver?

Über Videoanalyse-Systeme können Kunden eines Einkaufszentrums mit Zusatzinfos versorgt und über Digital Signage Displays auf Sonderangebote aufmerksam gemacht werden. Daraus gewonnene anonymisierte Daten erlauben ein besseres Verständnis der Besucherflüsse und fördern die Effizienz neuer Marktkonzepte. Face Recognition kann dabei helfen, Produkte zielgruppengerechter zu präsentieren. Ein smarter Spiegel mit Videotechnik im Beauty-Shop kann Hautpflege- oder Stylingtipps geben. Als Gesamtpaket wird somit das Einkaufserlebnis angenehmer und einzigartiger.

Arbeitet Panasonic in diesen Innovationsfeldern auch mit Startups zusammen?

Selbstverständlich. Panasonic investiert nicht nur seit jeher viel in eigene Entwicklungen, sondern setzt zudem auf Kooperationen mit anderen Unternehmen. Sehr erfolgreich arbeiten wir immer wieder mit Startups wie in jüngerer Vergangenheit zum Beispiel mit Cameramanager, die wir 2013 übernommen haben.

Was hat Cameramanager gebracht?

Mit Cameramanager ermöglichen wir flexible Video-Überwachung per Cloud und können auf wichtige Erfahrungen mit Cloud Surveillance Solutions im B2B-Bereich zurückgreifen. Damit sind wir auch entsprechend erfahren in Sachen Datensicherheit und Datenschutz. Auf Basis der Cameramanager-Technologie haben wir zuletzt das mobile Sicherheitskamera-System Nubo entwickelt, das durch integrierte Mobilfunkverbindung Echtzeit-Videoüberwachung mit tatsächlich uneingeschränkter Mobilität bietet.

Auch das Startup Video Insight gehört seit letztem Jahr zu Panasonic …

Ja, mit dem Video-Management-System von Video Insight haben wir unser Angebot an Sicherheitslösungen in den USA weiter ausgebaut. Es wird in Schulen, im Finanzsektor, Einzelhandel oder Transportwesen eingesetzt und zum Beispiel im neuen Baseball-Stadion der Atlanta Braves. Das statten wir nicht nur mit Videosystemen fürs Entertainment samt Großanzeigetafeln und Videowänden aus, sondern auch mit Sicherheitskameras, die per Video Insight gesteuert werden.

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PIV – WE ARE IMAGING will mit der Startup-Initiative jungen Unternehmen aus der Imagingbranche eine neue Plattform bieten und die Vernetzung der Player untereinander fördern. Auf der photokina kann sich die Imaging Startup-Szene zum ersten Mal in einer speziellen „futurezone“ präsentieren. Die Weltleitmesse für Imaging in Köln findet vom 20. bis 25. September 2016 statt.