PIV Branchentalk 2017 – 5 Thesen zur Zukunft der Innovation

Die digitale Transformation wird nie wieder so langsam sein wie heute. Der Wandel beschleunigt sich unaufhaltsam. Nur mit unermüdlicher Innovationsfähigkeit können Technologie-Unternehmen die Märkte der Zukunft aktiv mitgestalten. Über ideale Voraussetzungen für innovative Geschäftsmodelle und über die Bedeutung des Imagings als Querschnittstechnologie in einer vernetzten Welt, diskutierten rund 130 Teilnehmer beim PIV Branchentalk „Zukunft durch Innovation“ am 24. Mai in Düsseldorf. Bei der Premiere dieses neuen Dialogformats des Photoindustrie-Verband (PIV) gaben Experten aus cross-industriellen Branchen, der Marktforschung und Gründerszene inspirierende Denkanstöße rund um das Thema Innovation. Als Ergebnis lassen sich diese fünf spannenden Thesen zusammenfassen.

These 1: „Potenziell disruptive Innovationen erkennt man daran, dass sie zunächst wie totaler Quatsch wirken.“

Dr. Alex von Frankenberg, Geschäftsführer High-Tech Gründerfonds

Disruptive Innovationen nicht rechtzeitig zu erkennen, habe mitunter verheerende Folgen. Häufig würden Unternehmer Trends ignorieren, weil sie der aktuellen Lebensrealität widersprechen, so der Wagniskapital-Investor. Die gegenwärtige Marktsituation könne aber nicht der Maßstab sein. Vielmehr müssten weitsichtige Unternehmer einen Schritt zurücktreten und sich fragen, welche Marktmechanismen die fraglichen Geschäftsideen künftig potenziell verändern könnten. Als Beispiel nannte Dr. Alex von Frankenberg die Kryptowährung Bitcoin. Dabei handelt es sich nicht lediglich um eine optionale Digitalwährung, sondern um eine Lösung, die das Geldsystem, wie wir es heute kennen, vollständig ersetzen könnte. Vor Flops schütze eine solche offene Herangehensweise zwar nicht, aber sie sensibilisiere für das Unerwartete: „Die Zukunft wird uns sehr überraschen. Die Risiken, Neues auszuprobieren sind viel niedriger als man denkt. Die Risiken es nicht zu tun, sind hingegen viel größer“, rät der Startup-Förderer, zu dessen Exits unter anderem die 6 Wunderkinder GmbH mit der App Wunderlist gehört.

These 2: „Die Konzentration auf einen Hype kann dazu führen, dass Unternehmen ihr Marketing völlig ineffizient ausrichten.“

Kian Saemian, Senior Business Development Manager,
Mackevision Medien Design GmbH

Unternehmen sollten sich zwar für Innovationen öffnen, aber nicht in die Hype-Falle tappen, warnte Kian Saemian vom CGI-Spezialisten Mackevision, der visuelle Effekte unter anderem für die TV-Serie Games of Thrones produziert. Als Beispiel nannte der Experte den Trend hin zur Virtual Reality. Beim Prototypen-Design und in der individuellen Konfiguration der Wunschausstattung durch Kunden, habe sich VR in der Automobilbranche erfolgreich etabliert. In anderen Fällen, in denen Unternehmen blindlings auf VR als Marketinginstrument gesetzt haben, sei der Erfolg ausgeblieben, weil die Technologie nicht das Kundenbedürfnis abgeholt habe. „Virtual Reality ist nicht der heilige Gral. Die Technologie muss zur Customer Journey passen“, so Kian Saemian.

These 3: „Es gibt in absehbarer Zeit nicht das nächste ‚Big thing’! Stattdessen werden viele kleine ‚Connected things’ den Umsatz ankurbeln.“

Michael Heidemann, Lead Telecom Germany, GfK Retail and Technology GmbH

Der Marktforscher plädierte wie sein Vorredner ebenfalls dafür, sich nicht in der Suche nach dem einen Markttrend zu verzetteln. Allerdings aus einem anderen Grund. So identifiziert die GfK eine Ausdifferenzierung des Consumer Electronic-Markts in 21 Megatrends mit über 100 Folgetrends. Vor allem neue Produkte und Services rund um Künstliche Intelligenz, Mobiles Internet, Smart Home und Sicherheitstechnik stehen demnach für großes Wachstumspotenzial. Als Querschnittstechnologie biete Imaging viele Anknüpfungspunkte. Entscheidend werde sein, wie Imagingunternehmen ihre Produkte in die „vernetze Erlebniswelt“ des Kunden integrieren. Etablierte Unternehmen können dabei von der Stärke ihrer Markenbekanntheit profitieren und mit einem Markteintritt den neuen Gerätekategorien einen großen Wachstumsschub verleihen.

These 4: „Nicht vernetzt geht nicht mehr. Bis 2025 verfügt jeder Haushalt über 150 vernetzte Geräte.“

Michael Reinartz, Director Innovation, Vodafone Deutschland GmbH

Nicht nur für Imaginganwendungen wie 4K- und VR-Aufnahmen würden schnelle Übertragungstechnologien immer wichtiger, auch in vielen anderen Lebensbereichen gewinne die Vernetzung mit modernen 5G-Netzstandards an Bedeutung, betonte Michael Reinartz. Neue smarte Anwendungsideen bei Automobilen, in der Logistik, Stadtplanung, Landwirtschaft und Medizintechnik böten großes Innovations- und Geschäftspotenzial für vernetzte Imagingtechnologien. Als Beispiel nannte Michael Reinartz das Smart Farming, bei der Landwirte und Lebensmittelindustrie mit Multispektralkameras automatisiert den Erntefortschritt prüfen können.

These 5: „Die meisten Innovationen scheitern nicht an der Technologie, sondern an der Unternehmenskultur.“

Torsten Jensen, Digital Innovation Manager, Ernst & Young GmbH
Vorstand Bundesverband Deutsche Startups e.V.

Bei der Frage nach den idealen Rahmenbedingungen für Innovationen, warb
Torsten Jensen dafür, die Konfliktlinie zwischen Startups und etablierten Unternehmen zu beseitigen. Startups seien nicht als Bedrohung zu sehen, sondern als Quelle für Technologie- und Innovationstransfer, von der auch etablierte Unternehmen profitieren könnten. Von Pitch-Events über hauseigene Gründerzentren bis zur Co-Creation gebe es viele Modelle für erfolgreiche Kooperationen. Entscheidend sei eine Firmenkultur, die Innovation zulasse. Dazu zählen Anreizsysteme für Kreativität genauso wie eine Überwindung der unternehmerischen Eitelkeit: Abzulehnen, was nicht im eigenen Unternehmen entwickelt wurde, sei ein häufiger Grund, Innovationen zu verpassen.

Imaging als hochinnovatives Marktumfeld

„Der PIV Branchentalk verdeutlicht, dass Imaging weiterhin großes Innovationspotenzial birgt, nicht nur bei Produkten für Konsumenten, sondern auch im B2B-Bereich. Imaging ist als Querschnittstechnologie jedoch nicht losgelöst von Markttrends in anderen Technologiezweigen zu betrachten. Insbesondere die Entwicklung bei vernetzten Anwendungsszenarien zeigt, wie fruchtbar es ist, einen Blick über den Tellerrand zu werfen und das Thema Innovation cross-industriell zu diskutieren. Der PIV Branchentalk ist in diesem Sinne hervorragend als Plattform geeignet“, lautet das Fazit von PIV Geschäftsführer Christian Müller-Rieker nach einer gelungenen Premiere des neuen Dialogformats.