Ultraviele Punkte mit ultraviel Dynamik: UHD und HDR

Satte Farben, hoher Kontrast: Per HDR-Fotografie lassen sich spektakuläre Bilder knipsen. Nun soll die Technik mit der drastisch erweiterten Helligkeitsdynamik die Fernseher erobern. Die Kombination von UHD und HDR zaubert atemberaubende Bewegtbilder auf die Home-Cinema-Screens.

Dramatischer Himmel mit stimmungsvollen Lichtern hinter einem spannenden Motiv im Hintergrund: In der Fotografie ist HDR („High Dynamic Range“) eine Technik, die sich mittlerweile nahezu mit jeder Kamera ausführen lässt – selbst immer mehr Smartphones verfügen über eine integrierte HDR-Funktion. Der Clou: Mehrere Bilder werden vom selben Objekt aufgenommen, aber anschließend mit unterschiedlicher Belichtung kombiniert, um eine Lichttiefe zu erzielen, die man eben sonst nicht zu sehen bekommt. Jedenfalls nicht in einer Wiedergabe – in der Natur jedoch sehr wohl. Die Ergebnisse sind so oder so spektakulär, weswegen HDR jetzt auch auf den Fernsehschirm kommen soll. Geht das überhaupt? Lässt sich das mit 25, 50 oder 100 Bildern pro Sekunde am TV-Schirm überhaupt leisten? Ja, wenn man die neueste Technik nutzt.

Atemberaubende Bilder mit HDR

Tatsächlich werben verschiedene TV-Hersteller in diesem Jahr groß mit HDR auf dem Home-Cinema-Screen – zusätzlich zu UHD, das wir schon von den vergangenen Jahren kennen. Für Filmfreunde, die sich erst vor kurzem einen Full-HD-TV, womöglich noch mit 3D-Fähigkeit, zugelegt haben, mag diese rasante Entwicklung zunächst wie Hohn klingen. Allerdings genügt bereits ein Blick auf einen einigermaßen sauber eingestellten UHD-Bildschirm, um die Vorteile zu erkennen: Die 3.840 mal 2.160 Punkte auf einem solchen modernen TV erzielen eine Schärfe, wie sie Geräte der vorhergehenden Generation nicht bieten können. 4K, wie UHD (bzw. UHD-1) ja auch genannt wird, um die aktuellen von zukünftigen TVs mit 8K (7.680 × 4.320 Pixel oder UHD-2) zu unterschieden, hat Überzeugungskraft.

Wenn dann auch noch HDR, also eine drastisch erweiterte Helligkeitsdynamik hinzukommt, ist das Ergebnis zweifelsfrei atemberaubend. Und davon sind nicht nur Movie-Fans begeistert sondern auch Filmschaffende in Hollywood, die mit TV-Herstellern wie z.B. Panasonic in Sachen HDR-Bildwiedergabe kooperieren und die neuen kreativen Möglichkeiten des HDR-Effekts in der Bildgestaltung loben.

HDR ist nicht gleich HDR

Allerdings ist es mit HDR genau so wie mit zurückliegenden Generationen von neuen Imagingtechnologien: Es gibt immer mehrere, konkurrierende, bis sich dann schließlich eine durchsetzt. Auch die Lichtdynamik auf dem heimischen Bildschirm steht derzeit in einem beinahe babylonischen Definitionsgewirr.

Den besten Start hat hier „HDR 10“, weil dieser Standard bereits in UHD definiert ist. Die Zahl „10“ kommt hier von den 10 Bit, die für die Definition der Helligkeit bestimmt sind. So kann der Fernseher bis zu 1.000 Helligkeitsstufen (für jede Farbe) und eine Milliarde Farben darstellen, was dem Zehnfachen eines herkömmlichen Full-HD-TV (oder der Blu-Ray) entspricht. Vor allem bei sehr hellen und sehr dunklen Stellen im Bild ist der Unterschied signifikant.

HDR vs. Dolby Vision Standard

Noch weiter geht der konkurrierende Dolby Vision Standard, der dafür 12 Bit bereithält, was über 4.000 Helligkeitsstufen und 68 Milliarden Farben in Aussicht stellt.

Das bedeutet selbstverständlich, dass TVs mit Dolby Vision teurer sind als mit HDR 10. Allerdings ist ersteres „abwärtskompatibel“, so dass die Fernseher mit dem derzeit von unterschiedlichen Anbietern unterstützten offenen HDR 10 Standard voraussichtlich nicht besonders schnell veralten werden.

Darüber hinaus werden auch andere HDR-Standards wie etwa von Technicolor/Philips oder der BBC entwickelt, die sich ihren Platz auf dem Markt aber noch erkämpfen müssen.

Nur LG bietet derzeit UHD/HDR-TVs mit Dolby Vision an, in einer OLED-Bauweise, während andere Hersteller wie etwa Samsung oder Panasonic aktuell auf Backlight-LEDs setzen. Das Ergebnis ist ähnlich überzeugend.

Beim Kauf sollte man allerdings darauf achten, dass das neue Gerät nicht nur „irgendwie HDR“ ist, sondern tatsächlich den HDR 10 oder den Dolby-Vision-Standard in allen Punkten erfüllt. So gibt es derzeit einige Sony-TVs zu kaufen, die eine abgeschwächte Version der HDR-Technik verwenden. Ob das ausreichend ist, muss der Käufer selbst entscheiden.

Filmstudios setzen auf HDR

Da Filmstudios bereits damit angefangen haben, in HDR aufzuzeichnen und entsprechende Bildschirme durch die fortschreitende technische Entwicklung immer bezahlbarer werden, wird HDR in der einen oder anderen Form mit großer Wahrscheinlichkeit in einigen Jahren den Wohnzimmerstandard bilden.

Im laufenden Jahr sind bereits entsprechende Geräte zu haben – allerdings nur im Hochpreissegment. Amazon, Netflix und Vudu haben bereits HDR-Streaming im Programm. Zudem dürfte die vor kurzem gestartet Ultra-HD-BluRay-Disc die Popularität von HDR weiter beschleunigen.