Panono Ball Camera

108 Megapixel und der große Wurf

Was als spektakuläre Wurfkamera für Gadget-Fans begann und auf der letzten photokina für Furore sorgte, hat sich zu einer B2B-Erfolgsgeschichte entwickelt. Panono-Gründer und -CEO Jonas Pfeil, musste seine ursprüngliche Idee umkrempeln, um die Ball-Kamera mit 360-Grad-Rundumblick zu einer runden Sache zu machen. Dieses Interview ist Teil unserer Serie im neuen „Future of Imaging“-Blog von PIV – WE ARE IMAGING.

Vor zwei Jahren habt ihr auf der photokina für ganz schön Furore gesorgt. Seitdem ist einiges passiert…
Das kann man wohl sagen. Die photokina war für uns ein Durchlauferhitzer – und hat für große Aufmerksamkeit gesorgt. Trotzdem sind Schlagzeilen nur die eine Seite der Medaille.

Will heißen?
Es ist alles wirklich sehr gut gelaufen – letzten Herbst sind wir in Produktion gegangen, der Verkauf ist vor ein paar Monaten angelaufen. Wir können sofort und weltweit liefern.

Wo liegt dann das Problem?
Wir mussten unser ursprüngliches Konzept komplett umkrempeln und den Fokus von B2C auf B2B verlagern. Zunächst wollte ich ja eine Wurfkamera entwickeln, die am höchsten Punkt des Fluges alles aufnehmen kann – so die ursprüngliche Idee, die aus meiner Diplomarbeit und einer Reise nach Tonga entstanden ist.

Was ist passiert?
Wir mussten schnell feststellen, dass die meisten Leute Bilder eher aus der Augen- statt aus der Vogelperspektive machen wollen. Was als geekige Wurfkamera für Gadget-Fans begann, hat sich deshalb nun zu einem B2B-Tech-Gerät gewandelt.

Plan B: B2B statt B2C

Die Panono Camera in ihrer jetzigen Form ist also nur Plan B?
(Lacht) Kann man so sagen. Wir haben neben der Wurf-Kamera an einem zweiten Projekt gearbeitet – der Entwicklung einer 360-Grad-Kamera mit der höchsten Auflösung. Damit sind wir inzwischen eigentlich ein reiner B2B-Anbieter.

Habt ihr euch also vom Spaß-Feature „Hochwerfen“ verabschiedet?
95 Prozent der Panono-Nutzer machen inzwischen Bilder von einem Stativ oder Stab aus und nicht per Wurf. Die meisten sind professionelle Anwender – die ARD Tagesschau etwa für Reportagen, Architekten zur Baustellen-Dokumentation oder auch Sportteams und Versicherungen. Da braucht man einfach hochauflösende Bilder.

Aus Fehlern wird man klug. Das passt ja gut zur vielgepriesenen Flexibilität der Startup-Szene…
Wie wahr! Die gute Nachricht ist: es gibt uns noch. Schaut man sich die Szene generell an, dann scheitern doch neun von zehn Startups. Wir haben nun dieses Produkt auf dem Markt – und dabei sogar ein tolles Timing erwischt.

Also doch zur richtigen Zeit das richtige Produkt…
Absolut! Als wir gestartet sind, musste man jedem noch erklären, was eine 360-Grad-Kamera ist. Jetzt ist VR und 360-Grad-Content in aller Munde.

Next big thing: VR

Ist die Zeit reif für einen breiten Durchbruch von 360-Grad-Content und VR?
VR ist nicht zu stoppen. Lange Jahre hat die Entwicklung der Displays die Entwicklung gebremst – heute sind leistungsfähige Displays mit hoher Pixeldichte und einem breiten Field of View verfügbar, die es erlauben richtig coolen 3D-Content zu genießen.

Die Hardware ist da – wie sieht es denn mit Content aus?
VR-Brillen wie die von HTC oder Oculus sind der Hammer – die Entwickler-Headsets habe ich alle ausprobiert. Das Erlebnis ist unglaublich gut. Ich schwärme, obwohl ich eigentlich extrem kritisch bin, was neue Techniken angeht.

Trotzdem sind Inhalte Mangelware?
Noch. Derzeit passiert hier sehr viel – insbesondere der Spielemarkt wird die Entwicklung rasant pushen und dann werden andere Bereiche mit VR nachziehen.

What’s next?

Warum kann die Panono kein Bewegtbild aufnehmen?
Video ist ein anderer Markt und die Qualität von 360-Grad-Video ist noch nicht so gut. Wir haben uns auf Foto spezialisiert und die Kamera daraufhin optimiert.

Also ist Video gar kein Thema?
Vielleicht kommt mal eine Panono Camera, die auch Video kann. Unser Fokus aber liegt auf der höchsten Auflösung bei 360-Grad-Fotos. Hier werden wir keine Kompromisse eingehen.

Mit 108 Megapixeln schafft ihr rund dreimal soviel Auflösung wie Wettbewerber. Gibt es da überhaupt noch Luft nach oben?
Klar. In manchen Bereichen können es nie genug Pixel sein. Wir haben beispielsweise viele Kunden aus dem Immobilien-Sektor – für die ist das sehr interessant. Entsprechend arbeiten wir auch an einer Panono mit noch höherer Auflösung. Wann die auf den Markt kommen wird, ist allerdings noch unklar.

Gibt es eine Exit-Strategie für Panono?
Darüber denkt man als Gründer natürlich immer nach. Am Ende aber ist es ganz egal, ob der Aufbau eines Familienunternehmens, ein Börsengang oder der Verkauf der Firma das Ziel ist. Wichtig ist, dass man ein tolles Produkt hat, glückliche Kunden und einen langfristigen Plan.

Wiedersehen auf der photokina 2016

Tauscht man sich als junges Startup mit großen Imaging- und Kamera-Firmen aus?
Klar. Wir haben schon einige Kontakte und kennen uns unter anderem von verschiedenen Events. Und wir haben auch wichtige Partner aus der Branche: Ex-Leica-Chef Ralf Coenen etwa ist einer unserer Mentoren und Investoren.

Sehen wir uns bei der photokina im September?
Natürlich sind wir wieder dabei. Das wird bestimmt sehr spannend! Auch weil wir nun einen professionellen Fokus haben und mit möglichst vielen professionellen Anwendern sprechen wollen. So kriegen wir Feedback für die Entwicklung und können sehen, welche Features noch gebraucht werden.

Was kann man von eurer Erfolgsgeschichte lernen?
Nie aufgeben. Immer weitermachen. Der erste Wurf muss nicht immer gleich der beste sein…

Mehr Infos zur photokina 2016 vom 20.-25. September in Köln

Vorhang auf – in neuen Farben, mit neuem Look and Feel und einem Feuerwerk neuer Ideen präsentiert sich die Weltleitmesse für Foto und Video in diesem Jahr. Hier darf man eintauchen in die faszinierenden Möglichkeiten der Bilder und eine photokina erleben, die mit unzähligen Events und Aktionen Profis, Händler, Hobbyfotografen und jugendliche „Smartphoner“ gleichermaßen und wie nie zuvor begeistert.
http://www.photokina.de/photokina/index-8.php

Mehr Infos zur Kamera

Panono ist eine kugelförmige 360-Grad-Kamera mit 36 Kameramodulen, die alle gleichzeitig auslösen und so mit nur einer einzigen Aufnahme die gesamte Umgebung ohne blinde Flecken oder Verzerrungen durch Weitwinkelobjektive aufnehmen. Damit sind Rundum-Momentaufnahmen auch bewegter Szenen möglich – und zwar mit der derzeit weltweit höchsten Auflösung von 108 Megapixeln. Konkurrenzprodukte schaffen laut Panono-Gründer Jonas Pfeil, nur ein gutes Drittel dieser Auflösung. Die Kamera kostet 1.499 Euro.