Roboteraugen auf dem Mond

Weltweit werkeln Teams an Roboter-Autos, die sich unterstützt von Kameras auf dem Mond bewegen und von dort HD-Videobilder zur Erde schicken sollen. Wer das schafft, kann im Rahmen des “Google Lunar X-Prize” 20 Mio. Dollar gewinnen. Mit dabei sind die PartTimeScientists aus Berlin, die erstmals HD-Bilder vom Mond senden wollen.

Der Google Lunar X-Prize ist mit 20 Millionen US-Dollar dotiert und verlangt von den Wettbewerbsteilnehmern drei Dinge: Ein privatwirtschaftlich finanzierter Rover (selbstgesteuertes Roboterfahrzeug) landet erstens erfolgreich auf dem Mond, fährt dort zweitens selbsttätig mindestens 500 Meter weit und schickt drittens Daten und HD-Videos von der steinigen Oberfläche des Trabanten. Einsendeschluss ist der 31.12.2017 und unter den 16 beteiligten Teams möchte auch eine innovative junge Truppe aus Berlin den Preis gewinnen: Die PartTimeScientists.

Mit dem Auto über den Mond

Dazu konstruieren die wagemutigen Ingenieure gerade ein vierrädriges, einen Meter langes Fahrzeug aus Aluminium, das per 3D-Drucker gefertigt wird. Hauptsponsor und Lieferant einiger Elektroantriebsteile ist übrigens ein Fahrzeughersteller aus dem Bayerischen Ingolstadt, dessen Emblem mit den vier Ringen dann auch über den Mond fahren soll. Hier wird der gern zitierte „Vorsprung durch Technik“ einmal besonders greifbar.

Der Transport zum Mond soll von einem kommerziellen Raumfahrtunternehmen wie SpaceX durchgeführt werden. Um die Reise der beiden Rover (es sind zwei, um die Chancen zu vergrößern) zu finanzieren, bieten die PartTimeScientists bezahlte Gepäckbeförderung an. Ab 700.000 Euro pro Kilo kann man sein Stofftier oder ein wissenschaftliches Gerät mit zur Luna schicken.

Der Mondausflug, erstmals in HD

Um die dritte Herausforderung der HD-Videoübertragung zu meistern, greifen die Berliner Teilzeitwissenschaftler auf bewährte optische Technik von Jos. Schneider Optische Werke im rheinland-pfälzischen Bad Kreuznach zurück, deren Linsen schon seit 1959 von der NASA für Mondfotos eingesetzt werden; zunächst bis 1976 im Lunar Orbiter des Apollo-Programms und später, ab 1990, bei den Space-Shuttle-Flügen.

Die Elektronik für die HD-Kameras entwickelt das Berliner Team allerdings selbst. Die Mondkamera ist so gut gegen radioaktive Strahlung geschützt, dass sie nach einer Kernschmelze in einem Atomkraftwerk Bilder zu einem Krisenstab senden könnte. „In Fukushima hätte man solch eine Kamera gut gebrauchen können“, erklärt das Team stolz. Und, dass die HD-Kamera die von Google geforderte Bildqualität ums Achtfache übertreffen wird.

HD-Kameras selbstentwickelt – mit Technik von Schneider Kreuznach

Aber das werden wir dann mit eigenen Augen sehen können, sobald die beiden Mond-Rover, benannt nach dem russisch-amerikanischen Wissenschaftler und SciFi-Autor Isaac Asimov, mit dem Senden begonnen haben. Als Landestelle hat man sich die historische Apollo-17-Mission (ebenfalls mit Mondauto) ausgesucht, um Bilder von den Zeugnissen der bisher letzten bemannten Mondmission nach Hause zu senden.

Für ihre Imagingtechnologie haben die Berliner bereits einen mit 250.000 Dollar dotierten „Milestone Prize“ gewonnen – eine von mehreren Prämien, die im Laufe des Wettbewerbs für die Entwicklung von Schlüsseltechnologien in den Bereichen „Landing“, „Mobility“ und „Imaging“ vergeben wurden. Die innovative 3D-Kamera konnte die Mondtauglichkeit ihrer optischen Sensoren und Mechanik nicht nur bei Strahlungs- und Temperaturbelastungsversuchen, sondern auch bei Vibrationstests beweisen – allesamt kombiniert mit Vakuumumgebung und von einer Experten-Jury aus der Luft- und Raumfahrt beaufsichtigt. Zudem konnte sie zeigen, dass sie wie gefordert, ausgezeichnete Panoramabilder schießt sowie mit direkter Bildwiedergabe bereit ist, für die spektakuläre Mission und die Übermittlung von laut Regularien mindestens zwei 8-Minuten-Videos zur Erde.

Tickets zum Mond gebucht

Auch in der Kategorie „Mobility“ sicherten sich die PartTimeScientists eine der ausgelobten Meilenstein-Prämien. Um den 20-Millionen-Dollar-Hauptpreis zu kassieren, muss nun allerdings nicht nur die gesamte Mission glücken, sondern das Team auch schneller sein als die Konkurrenz. Und die schläft nicht: Fünf der derzeit noch 16 Wettbewerber haben einen bereits von Google Lunar X-Prize verifizierten Raktenstartvertrag in der Tasche und sind damit den Berlinern einen Schritt voraus.

Namentlich ist es das amerikanische Team Moon Express, das wie die Deutschen mit „Milestone Prize“-prämierter Imagingtechnologie im Rennen ist. Daneben SpaceIL aus Israel, die internationale Gruppe von Synergy Moon, das indische Team Indus sowie Hakuto aus Japan. Die PartTimeScientists haben nach eigenen Angaben Ende November ihren Trip zum Mond mit dem privaten US-Raumfahrtunternehmen Spaceflight Industries gebucht und werden wahrscheinlich mit einer „Falcon 9“-Rakete von SpaceX durchstarten.

Zu Anfang des Wettbewerbs waren 29 Teams aus aller Welt am Start. Es bleibt also spannend, wer sich bis zum Jahresende auf der Zielgeraden hält. Zumal Google auch schon drei Mal die Deadline verlängert hat, damit die Auslobung größere Chancen auf Erfolg hat.

LINKS

http://pts_wp.we03.ptscientists.com/

https://www.brandeins.de/archiv/2015/ziele/part-time-scientists-robert-boehme-die-welt-ist-nicht-genug/

http://sites.arte.tv/futuremag/de/part-time-scientists-startklar-fuer-den-flug-zum-mond-futuremag

https://www.heise.de/tr/artikel/Mond-macht-Mobil-3575569.html

http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/google-lunar-x-prize-deutsches-team-bucht-ticket-zum-mond-a-1123736.html